Das Forum für verantwortbare Anwendung der Wissenschaft ist von einer
Gruppe von Wissenschaftlern im Mai 1973 in Flüh und in Basel als Verein
gegründet worden und hat sich zum Ziel gesetzt (Statuten),
wissenschaftliche und technische Projekte und Unternehmungen daraufhin
zu prüfen, ob sie den an wissenschaftliche Methodik zu stellenden
Anforderungen gerecht werden, ob sie im öffentlichen Interesse verantwortbar
sind, ob sie vertretbare Proportionen aufweisen, und ob sie auf den
engen und weiten Lebensraum sowie auf die Gesundheit der Menschen
gebührend Rücksicht nehmen.
Wir haben uns seither oft in wissenschaftliche Fremdsachgebiete eingemischt.
der kritische Blick von außen ist aufschlußreich und fördert Erstaunliches,
oft erschütternde Früchte der etablierten Wissenschaft zutage, welche
in die Gegenwart und in die Zukunft hineinwirken. Die Palette, die
wir dokumentarisch sichtbar gemacht haben, erstreckt sich über Irrtum,
Pfusch, Unvermögen, und so weiter bis in Tatbestände, gegen die wir
Strafanklage erhoben hätten, wären Fälschung und Betrug in der Wissenschaft
st rafrechtlich ahndbar; sie sind es nicht. Ein Beispiel (oder Bleispiel):
Der in den 40er Jahren in der Schweiz provisorisch bewilligte Zusatz
von Blei zum Autobenzin war dank einer systematischen Fälschung durch
einen auch international hochakkreditierten Kommissionspräsidenten,
Professor der Arbeitsmedizin, in der Schweiz und schließlich global
zugelassen worden. Die mit Zahlen "belegte" Schlußfolgerung
der Berichtereihe hatte gelautet: "kein nennenswerter Anstieg
von Blei im Blut der Bevölkerung". Konradin KREUZER hatte die
sich über ein paar Jahrzehnte erstreckende Beric htereihe minutiös
analysiert und festgestellt: Die Befunde hatten eine Verdreifachung
des Bleigehaltes im Blut der geprüften Gruppen ausgewiesen. Dank dieser
systematisch aufgebauten Trickreihe sind über ein paar Jahrzehnte
hunderttausende Tonnen Blei aus dem Berg geholt und feinstverteilt
über den Erdball zerstäubt worden - unwiederbringlich mit Wirkung
in unabsehbare Zukunft. Blei macht blöd, was in der medizinischen
Fachliteratur ausgiebig beschrieben worden ist.
Wir wollen aber nicht nur Tatbestände kritisch beleuchten und ihre
Auswirkungen auf heute und morgen kennenlernen. Wir haben von Anfang
an Wege gesucht, Unstimmigkeiten mit den Autorenschaften und Auftraggebern
auszutragen oder zu beheben. Das ist oft schwierig. Der Fall Blei
zeigt als ein Beispiel von Tausenden, daß viele Mißstände und Fehlleistungen
zwar als solche bekannt sind aber nicht korrigiert werden, daß Vorschläge
sie zu beheben gegeben sind, daß aber die zuständigen Organe sie übergehen.
Diese Not hat uns dazu gebracht, einen Zukunftsrat als Dritte Palamentskammer für die zu erneuernde schweizerische Verfassung vorzuschlagen. Eine
mit den beiden bestehenden Kammern gleichberechtigte gesetzgebende
Behörde soll es ermöglichen, daß aus zahlreichen Befunden, Ideen und
Projekten (nicht nur in unserem Arbeitsbereich) Konsequenzen gezogen
werden, daß gegenwärtiges Tun politisch verbindlich so gestaltet werden
kann, daß kommende Generationen ihre dannzumalige Entfaltung nicht
wegen heut igem Fehlverhalten beeinträchtigt wird. Auf diesem Weg
wollen wir uns instand setzen, Früchte der Wissenschaft im Entstehen
statt hinterher zu erkennen, Forschungsprogramme nicht nur zu prüfen,
sondern mitzugestalten, wo nötig auch zu verhindern.
Es könnte dann nicht mehr passieren - um ein zweites Beispiel einer
schweizerischen Weltkoryphäe zu nennen - daß das Grundprinzip des
Strahlenschutzes "as low as possible" (ALAP) ungestraft
zum Geschäftsprinzip "as low as reasonably achievable" (ALARA)
umgemogelt und weltweit als "Strahlenschutz" fixiert wird,
zum Schaden von unzähligen kommenden Generationen.
Die genannten zwei und viele andere Beispiele aus verschiedenen Fachbereichen
sind vom Forum W in speziellen Berichten und laufend in der FoW-eigenen
Zeitschrift "nux" dokumentiert und diskutiert worden.
Forum für verantwortbare Anwendung der Wissenschaft, Herausgeberin
der Zeitschrift nux
Sekretär von Forum W und nux-Redakteur ist Konradin Kreuzer, dipl.Ing.Chem.EHT
Die "nux" erscheint mindestens viermal jährlich und kann
für Sfr 40.-/DM 50.- abonniert werden.
Das Modell von Flüh für einen Zukunftsrat als Dritte Parlamentskammer ist im A-Bulletin Nr.383, 1-4, Februar 1996 (Zürich) und in "Zukünfte"
Nr. 16, 53-55, Juni 1996 (Gelsenkirchen) beschrieben. Der volle Wortlaut
der "Skizze" zum Modell vom 1. Februar 1996 kann beim Forum
W in CH-4112 Flüh bezogen werden.
Die "Gruppe von Flüh", Trägerin des Modells von Flüh, besteht
aus einem guten Dutzend Menschen aus verschiedenen Gesellschafts-
und Fachbereichen, u.a. Martin Kalinowski, ist via Forum W auch mit
dem NETZWERK ZUKUNFT verknotet. |